13.06.2019 Der phänologische Kalender

Um zu entscheiden, wann man was im Garten macht, braucht man eine Orientierung. Dabei ist es nicht unbedingt sinnvoll, sich nach Daten im Kalender zu richten, da das Wetter und das Klima ja nicht jedes Jahr und überall gleich sind.

 

Es ist sinnvoller, sich an bestimmten Naturphänomenen zu orientieren, die signalisieren, wann entsprechende Bedingungen erfüllt sind. Da diese jedes Jahr in einer (mehr oder weniger) gleichen Reihenfolge auftreten, kann man auch nach ihnen einen Kalender erstellen. Dieser wird phänologischer Kalender genannt. (Phänologie: die Lehre von den wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur)

 

Er unterteilt das Jahr in 10 Jahreszeiten, die jeweils von einem markanten Ereignis in der Natur, meist der Blühbeginn weit verbreiteter Pflanzen, eingeleitet werden. Jede Jahreszeit ist für bestimmte Tätigkeiten im Garten geeignet. Um seine komplette Gartenarbeit auf diese Weise zu organisieren, kauft man sich am besten ein Buch, weil das Thema einfach zu umfangreich für einen Blog-Artikel ist, aber hier zumindest eine kleine Übersicht:

 

Vorfrühling: Blühbeginn von Schneeglöckchen und Haselnuss -> Obstgehölzen schneiden

 

Erstfrühling: Blühbeginn von Forsythie und Kirsche -> Rosen schneiden

 

Vollfrühling: Blühbeginn von Apfel und Flieder -> Direktsaat im Gemüsegarten

 

Frühsommer: Blühbeginn des Schwarzen Holunders -> erste Ernte von Kohlrabi und Mairüben

 

Hochsommer: Blühbeginn der Sommerlinde -> Erdbeeren pflanzen

Frühherbst: Reife der Beeren des Schwarzen Holunders -> Feldsalat und Spinat säen

 

Vollherbst: Reife der Eicheln -> Hecken schneiden

 

Spätherbst/Winter: Gelbfärbung der Blätter der Stieleiche -> letzte Blumenzwiebeln stecken

22.05.2019 Die Eisheiligen sind vorbei – jetzt kann es losgehen! …oder?

Davon hat jeder schon einmal gehört. Der Frühling kommt, es wird teilweise schon erstaunlich warm, die Bäume bekommen Blätter und die Wildkräuter fangen an zu sprießen – aber: „Nicht zu früh freuen, es kommen ja noch die Eisheiligen!“ Also besser noch mit dem Anpflanzen warten. 

 

Aber was sind die Eisheiligen überhaupt? Wie der Name schon sagt, handelt es sich um Gedenktage von bestimmten Heiligen, während denen es noch einmal richtig eisig werden, also Frost geben kann. Sie heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius uns Sophia, die auch als kalte Sophie bekannt ist, und fallen auf den 11. bis 15. Mai. Wer nun ein aufmerksamer Wetterbeobachter ist, wird vielleicht festgestellt haben, dass es im Mai tatsächlich oft einen Kälteeinbruch gibt – jedoch oft später! Das ist tatsächlich so und hat mit der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 zu tun. Ja, so alt ist diese Bauernregel schon! Bei der Kalenderreform haben sich die Daten verschoben, sodass der Kälteeinbruch heutzutage erst ungefähr eine Woche später eintritt, also ca. ab dem 20. Mai. 

 

Für den Gärtner bedeutet dies, dass er bestimmte Pflanzen, wie z.B. Tomaten und Basilikum besser noch nicht in’s Beet oder auf den Balkon bringen sollte, weil sie dem eventuellen Nachtfrost nicht standhalten würden. Wie gerade gelernt, sollte er sich dabei aber nicht stur an den Daten der Eisheiligen orientieren, sondern an den tatsächlichen Temperaturen der auf sie folgenden zwei Wochen. Wer ganz ungeduldig ist, kann sich informieren, welche Pflanzen leichten Frost vertragen und schon etwas früher in’s Beet können, hierzu zählen z.B. Blattsalate, Kohlrabi und Radieschen. 

29.04.2019 Frühlingserwachen in den Beeten

Die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht und überall sprießt das Grün – auch in den noch unbepflanzten Beeten. Noch sind die Gärtner damit beschäftigt, sich zu überlegen, was sie dieses Jahr pflanzen wollen und ziehen vielleicht Zuhause die ersten Setzlinge vor. Die Beete warten allerdings nicht darauf, vom Menschen bepflanzt zu werden, sie begrünen sich stellenweise schon längst selbst. So auch im Bauerngarten des Lindenhofs. Dieser soll in den nächsten Tagen und Wochen zwar neu bepflanzt werden, aktuell haben aber noch die Wildkräuter das Sagen. Von vielen Gärtner als Unkraut verschrien, haben diese robusten Pflänzchen ganz zu Unrecht einen so schlechten Ruf, denn sie haben nicht nur einen wertvollen Nutzen für das Ökosystem, sondern auch für den Menschen. Viele der ganz von selbst wuchernden Kräuter sind essbar oder haben sogar Heilwirkungen.

Große Brennnessel (Urtica dioica)

Diese wehrhafte Pflanze ist jedem sicher schon einmal begegnet. So schmerzhaft ihre Brennhaare für den Menschen auch sind, die Raupen vieler Schmetterlinge lassen sich von ihnen nicht beeindrucken. Für sie bilden die Brennnesselblätter eine wichtige Futterquelle.

 

Kocht man die Blätter, sind die Brennhaare auch für den Menschen nicht mehr gefährlich und die Pflanze kann bedenkenlos z.B. zu leckerem Brennnesselspinat verarbeitet werden.

Was heute exotisch klingt, war früher übrigens ein weit verbreiteter Bestandteil des Speisezettels. Und zwar zurecht, denn die Brennnessel enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe wie z.B. verschiedene Mineralstoffe und Eiweiß.

 

In der Volksheilkunde wurde sie außerdem z.B. bei Harnwegserkrankungen eingesetzt.

 

Auch gärtnerisch kann man von der stickstoffliebenden Pflanze profitieren, denn man kann aus ihr eine Jauche herstellen, die sich hervorragend als Flüssigdünger eignet.

Persischer Ehrenpreis (Veronica perisca)

Von der Gattung Ehrenpreis sind bei uns mehrere Arten verbreitet. Gemeinsam sind ihnen die kleinen vierzipfeligen blau leuchtenden Blüten und das zierliche Erscheinungsbild.

 

Der Persische Ehrenpreis ist besonders oft anzutreffen und bildet gern kleine Teppiche. In unserem Bauerngarten hat er sich zwischen andere Pflänzchen hineingeschlängelt.

 

Alle Arten der Gattung sind genau wie die Brennnessel essbar und bereichern roh oder gekocht verschiedenste Speisen. Früher war der Pflanze „Ehr und Preis“ für ihre vielfältigen medizinischen Anwendungsmöglichkeiten, worauf wie man sieht der Gattungsname Bezug nimmt. So wurde der Tee aus der Pflanze z.B. zur Verdauungsförderung und bei Atemwegserkrankungen getrunken.

Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta)

Dieses zarte Pflänzchen kann man leicht übersehen mit seinen sehr dünnen Stängeln und den kleinen weißen Blüten.

 

Wenn man es doch entdeckt und auszupft, kann es allerdings passieren, dass man es unfreiwillig weiter verbreitet, da die dünnen langen Fruchtschoten, die auch auf unserem Bild zu sehen sind, bei Berührung aufplatzen und die darin befindlichen Samen bis zu 1 m weit geschleudert werden.

 

Das muss einen aber gar nicht stören, da alle Schaumkräuter ebenfalls essbar und mit ihrem ausgeprägten Kressegeschmack sehr lecker sind. Hierzu verwendet man am besten die Blätter, die dicht über dem Boden in einer Rosette wachsen.

Rote Taubnessel (Lamium purpureum)

Diese kleine farbenfrohe Pflanze ist momentan sehr oft zu sehen. Sie fällt allerdings weniger durch ihre Größe, sondern vor allem durch ihre leuchtend purpurroten Blüten auf. Diese haben eine für die Familie der Lippenblütler typische Ober- und Unterlippe und werden gerne von Bienen und Hummeln besucht.

 

Wie alle anderen Taubnesseln bereichert auch sie unsere Speisen mit einer intensiven leckeren Note z.B. in Kräuterbutter oder gehackt in Gemüsegerichten. Besonders hübsch sieht es aus, wenn man Kräuterquark oder Süßspeisen mit den kleinen roten Blüten garniert.

 

Wie die meisten Wildpflanzen finden auch die Taubnesseln in der Volksheilkunde vielfältige Verwendung, z.B. bei Bronchitis, Magen-Darm-Beschwerden und Fieber.

Vogelmiere (Stellaria media)

Wieder eine recht unauffällige Pflanze, der man aber definitiv mehr Aufmerksamkeit schenken sollte! Nicht nur, weil die winzigen weißen Blüten bei genauerer Betrachtung wirklich hübsch sind, sondern auch, weil die Vogelmiere nicht nur für Vögel (daher der Name) ein echter Leckerbissen ist – und eine kleine Vitaminbombe obendrein.

 

Sie bildet gern kleine Teppiche und kann so wie man sie händeweise ausrupft direkt in die Salatschüssel wandern. Der leicht erdige Geschmack macht sich auch gut in Pfannkuchen. Dazu püriert man einfach ein paar Hand voll Vogelmiere mit in den Teig, was diesen auch noch leicht grün färbt. Am besten passt ein herzhafter Bergkäse dazu!

 

In der Volksmedizin findet sie ebenso Verwendung, beispielsweise bei Krämpfen, Leberbeschwerden und Rheuma.

Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis)

Der Gewöhnliche Erdrauch ist zwar kein verbreitetes Garten-„Unkraut“, fühlt sich aber als nährstoffliebende Pflanze am Rand eines Beetes wie hier im Bauerngarten recht wohl. 

 

Er ist die erste Pflanze in unserer kleinen Liste, die man nicht essen sollte, da sie schwach giftig ist.

 

Die im Erdrauch enthaltene Fumarsäure wird jedoch in der Schulmedizin verwendet, um Mittel gegen Schuppenflechte herzustellen.

Die oben vorgestellten Pflanzen sind nur ein Teil der Vielfalt, die in den Beeten und um sie herum am Lindenhof anzutreffen ist – und vielleicht erkennen Sie die ein oder andere Pflanze ja auch in Ihrem Garten wieder und sehen sie jetzt mit etwas anderen Augen.

 

Vielleicht haben Sie auch Lust bekommen, ihre grünen Gartenmitbewohner besser kennen zu lernen und kaufen sich ein Bestimmungsbuch? In jedem Fall würde ich empfehlen, sich ausreichend zu informieren, bevor Sie sich daran machen, Wildpflanzen zu essen.

 

Es gibt sehr viele bedenkenlos genießbare Pflanzen in unserer heimischen Natur, aber doch auch die ein oder andere Giftpflanze. Deshalb essen Sie bitte nur Pflanzen, die Sie sicher erkennen. Fangen Sie am besten mit Pflanzen an, die Sie eh schon kennen (z.B. Brennnessel oder Gänseblümchen) und hangeln sich langsam vor, dann werden Sie sehen, dass es gar nicht so schwer ist, wie man am Anfang vielleicht meint. Und Sie werden feststellen, dass Ihnen Ihr Garten viel mehr bietet, als das, was Sie angepflanzt haben! Insofern: Viel Freude beim Entdecken!

 

 

Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie mir gerne: VeronikaHartmann[at]outlook.de