29.04.2019 Frühlingserwachen in den Beeten

Die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht und überall sprießt das Grün – auch in den noch unbepflanzten Beeten. Noch sind die Gärtner damit beschäftigt, sich zu überlegen, was sie dieses Jahr pflanzen wollen und ziehen vielleicht Zuhause die ersten Setzlinge vor. Die Beete warten allerdings nicht darauf, vom Menschen bepflanzt zu werden, sie begrünen sich stellenweise schon längst selbst. So auch im Bauerngarten des Lindenhofs. Dieser soll in den nächsten Tagen und Wochen zwar neu bepflanzt werden, aktuell haben aber noch die Wildkräuter das Sagen. Von vielen Gärtner als Unkraut verschrien, haben diese robusten Pflänzchen ganz zu Unrecht einen so schlechten Ruf, denn sie haben nicht nur einen wertvollen Nutzen für das Ökosystem, sondern auch für den Menschen. Viele der ganz von selbst wuchernden Kräuter sind essbar oder haben sogar Heilwirkungen.

Große Brennnessel (Urtica dioica)

Diese wehrhafte Pflanze ist jedem sicher schon einmal begegnet. So schmerzhaft ihre Brennhaare für den Menschen auch sind, die Raupen vieler Schmetterlinge lassen sich von ihnen nicht beeindrucken. Für sie bilden die Brennnesselblätter eine wichtige Futterquelle.

 

Kocht man die Blätter, sind die Brennhaare auch für den Menschen nicht mehr gefährlich und die Pflanze kann bedenkenlos z.B. zu leckerem Brennnesselspinat verarbeitet werden.

Was heute exotisch klingt, war früher übrigens ein weit verbreiteter Bestandteil des Speisezettels. Und zwar zurecht, denn die Brennnessel enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe wie z.B. verschiedene Mineralstoffe und Eiweiß.

 

In der Volksheilkunde wurde sie außerdem z.B. bei Harnwegserkrankungen eingesetzt.

 

Auch gärtnerisch kann man von der stickstoffliebenden Pflanze profitieren, denn man kann aus ihr eine Jauche herstellen, die sich hervorragend als Flüssigdünger eignet.

Persischer Ehrenpreis (Veronica perisca)

Von der Gattung Ehrenpreis sind bei uns mehrere Arten verbreitet. Gemeinsam sind ihnen die kleinen vierzipfeligen blau leuchtenden Blüten und das zierliche Erscheinungsbild.

 

Der Persische Ehrenpreis ist besonders oft anzutreffen und bildet gern kleine Teppiche. In unserem Bauerngarten hat er sich zwischen andere Pflänzchen hineingeschlängelt.

 

Alle Arten der Gattung sind genau wie die Brennnessel essbar und bereichern roh oder gekocht verschiedenste Speisen. Früher war der Pflanze „Ehr und Preis“ für ihre vielfältigen medizinischen Anwendungsmöglichkeiten, worauf wie man sieht der Gattungsname Bezug nimmt. So wurde der Tee aus der Pflanze z.B. zur Verdauungsförderung und bei Atemwegserkrankungen getrunken.

Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta)

Dieses zarte Pflänzchen kann man leicht übersehen mit seinen sehr dünnen Stängeln und den kleinen weißen Blüten.

 

Wenn man es doch entdeckt und auszupft, kann es allerdings passieren, dass man es unfreiwillig weiter verbreitet, da die dünnen langen Fruchtschoten, die auch auf unserem Bild zu sehen sind, bei Berührung aufplatzen und die darin befindlichen Samen bis zu 1 m weit geschleudert werden.

 

Das muss einen aber gar nicht stören, da alle Schaumkräuter ebenfalls essbar und mit ihrem ausgeprägten Kressegeschmack sehr lecker sind. Hierzu verwendet man am besten die Blätter, die dicht über dem Boden in einer Rosette wachsen.

Rote Taubnessel (Lamium purpureum)

Diese kleine farbenfrohe Pflanze ist momentan sehr oft zu sehen. Sie fällt allerdings weniger durch ihre Größe, sondern vor allem durch ihre leuchtend purpurroten Blüten auf. Diese haben eine für die Familie der Lippenblütler typische Ober- und Unterlippe und werden gerne von Bienen und Hummeln besucht.

 

Wie alle anderen Taubnesseln bereichert auch sie unsere Speisen mit einer intensiven leckeren Note z.B. in Kräuterbutter oder gehackt in Gemüsegerichten. Besonders hübsch sieht es aus, wenn man Kräuterquark oder Süßspeisen mit den kleinen roten Blüten garniert.

 

Wie die meisten Wildpflanzen finden auch die Taubnesseln in der Volksheilkunde vielfältige Verwendung, z.B. bei Bronchitis, Magen-Darm-Beschwerden und Fieber.

Vogelmiere (Stellaria media)

Wieder eine recht unauffällige Pflanze, der man aber definitiv mehr Aufmerksamkeit schenken sollte! Nicht nur, weil die winzigen weißen Blüten bei genauerer Betrachtung wirklich hübsch sind, sondern auch, weil die Vogelmiere nicht nur für Vögel (daher der Name) ein echter Leckerbissen ist – und eine kleine Vitaminbombe obendrein.

 

Sie bildet gern kleine Teppiche und kann so wie man sie händeweise ausrupft direkt in die Salatschüssel wandern. Der leicht erdige Geschmack macht sich auch gut in Pfannkuchen. Dazu püriert man einfach ein paar Hand voll Vogelmiere mit in den Teig, was diesen auch noch leicht grün färbt. Am besten passt ein herzhafter Bergkäse dazu!

 

In der Volksmedizin findet sie ebenso Verwendung, beispielsweise bei Krämpfen, Leberbeschwerden und Rheuma.

Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis)

Der Gewöhnliche Erdrauch ist zwar kein verbreitetes Garten-„Unkraut“, fühlt sich aber als nährstoffliebende Pflanze am Rand eines Beetes wie hier im Bauerngarten recht wohl. 

 

Er ist die erste Pflanze in unserer kleinen Liste, die man nicht essen sollte, da sie schwach giftig ist.

 

Die im Erdrauch enthaltene Fumarsäure wird jedoch in der Schulmedizin verwendet, um Mittel gegen Schuppenflechte herzustellen.

Die oben vorgestellten Pflanzen sind nur ein Teil der Vielfalt, die in den Beeten und um sie herum am Lindenhof anzutreffen ist – und vielleicht erkennen Sie die ein oder andere Pflanze ja auch in Ihrem Garten wieder und sehen sie jetzt mit etwas anderen Augen.

 

Vielleicht haben Sie auch Lust bekommen, ihre grünen Gartenmitbewohner besser kennen zu lernen und kaufen sich ein Bestimmungsbuch? In jedem Fall würde ich empfehlen, sich ausreichend zu informieren, bevor Sie sich daran machen, Wildpflanzen zu essen.

 

Es gibt sehr viele bedenkenlos genießbare Pflanzen in unserer heimischen Natur, aber doch auch die ein oder andere Giftpflanze. Deshalb essen Sie bitte nur Pflanzen, die Sie sicher erkennen. Fangen Sie am besten mit Pflanzen an, die Sie eh schon kennen (z.B. Brennnessel oder Gänseblümchen) und hangeln sich langsam vor, dann werden Sie sehen, dass es gar nicht so schwer ist, wie man am Anfang vielleicht meint. Und Sie werden feststellen, dass Ihnen Ihr Garten viel mehr bietet, als das, was Sie angepflanzt haben! Insofern: Viel Freude beim Entdecken!

 

 

Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie mir gerne: VeronikaHartmann[at]outlook.de